Arktis-Reise macht Schiller atemlos
Mit seinem neuen Album ’Atemlos’ schoss Schiller Ende März in den deutschen Album-Charts laut Media Control direkt auf Platz 2 und hält sich dort seit Wochen in der Top 5. Besonders erfreulich ist dabei, dass somit auch seine Erlebnisse in der Arktis und die damit verbundenen Gedanken viele Menschen interessieren und erreichen. Seit dieser Forschungsreise sieht er die Welt mit anderen Augen. Wie genau – erzählt er hier!
„Die Sachlage ist ja bekannt, dass zwei Drittel des Planeten mit Wasser bedeckt sind. Aber all das Wissen hat nichts vorweggenommen von dem wirklichen Erleben, das ich vor Ort gehabt habe. Das war für mich der ultimative Beweis dafür, dass wir tatsächlich nur einen kleinen Teil des Planeten für kurze Zeit geborgt haben“, fasst Schiller seine Gefühle während seines Aufenthalts am Nordpol zusammen. Auf ’Atemlos’ versucht er zum Teil, sie möglichst authentisch weiterzugeben und eben nicht mit dem Zeigefinger darauf hinzuweisen, dass wir alle unser Leben ändern müssen. Der Mensch kann sich seiner Meinung nach nur dann ändern, wenn er versteht, warum er das macht – und nicht, weil irgendeine Institution das vorgibt. Auf der DVD zum Doppel-Album ist deshalb selbstverständlich ein Filmbeitrag über die Expedition in die Arktis enthalten, weil ihm die Bilder auch wichtig sind.
Schiller betont, dass er kein Umweltaktivist ist und auch Schwierigkeiten damit hat, wenn jemand solch ein Thema besetzt und es als Multiplikator versucht zu propagieren. Er musste für sich deshalb einen anderen Zugang suchen – und er hat ihn gefunden. Auf dem Forschungsschiff ’Polarstern’ begleitete er für vier Wochen ein internationales Team von Meeresforschern auf ihrer Expedition in die Arktis. Was er von dort zu berichten hat, gibt er gerne weiter: „Wenn über diesen Umweg bei anderen Leuten ein Interesse für die Thematik geweckt wird, dann ist das für mich befriedigender. Von der Meeresforschung ist es dann ja auch nicht mehr weit bis zur Klimaforschung. So ein Ansatz gefällt mir besser, als raus zu gehen und zu sagen: ‚Ihr müsst alle weniger Auto fahren’!“
Trotzdem ist ‘Atemlos’ kein Konzeptalbum, auch wenn Titel wie ’Tiefblau’ und ’Polarstern’ für die sphärischen Klangwelten Schillers dies vermuten lassen. Es ist eher ein Themenalbum, das aber nicht nur auf diese Arktis-Reise bezogen ist. So ist zum Beispiel die Single ’Try’ mit Nadia Ali ein schöner Elektro-Pop-Track. Dagegen rezitiert bei ’Unruhig Herz’ und ’Augenblick’ Schauspielerin Anna Maria Mühe in ihren Lyrics wieder gefühlvoll alte Gedichte. ’Atemlos’ ist eindeutig kein musikalischer Erlebnisbericht: „Ich will dem Hörer nicht aufzwingen, dass er jetzt den Eisberg sehen muss. ‘La Mer’ ist zum Beispiel entstanden in einer Nacht am Alexanderplatz. Ich hatte ein Zimmer im höchsten Hotel Berlins und habe mir die Stadt nachts von oben angeguckt. Beim Betrachten des Lichtermeers ist dieses Stück entstanden. Es geht mir im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Album mehr um eine Horizonterweiterung.“
Ob es ihm auch bei der Wahl des Ortes fürs Interview um eine Horizonterweiterung ging? Entschieden hatte er sich bewusst fürs Michelberger Hotel in Berlin. Faszinierend sind dort im Café zum Beispiel die Lampenschirme aus alten Büchern. Die Macher beschreiben diesen Recycling-Ansatz auch auf der eigenen Website. Das Hotel ist demnach voll mit kleinen und großen einmaligen Dingen, die sie in und um Berlin gesammelt haben. Und was sie nicht finden konnten, das haben sie selbst gebaut. Schiller ist jedenfalls begeistert von dieser Initiative: „Ich finde es toll, dass hier eine Gruppe von Leuten ein Hotel macht, so wie sie es gerne hätten. Ich mache ja die Musik so, wie ich sie gerne kaufen würde. Dabei sehe ich mich als eine Art musikalischen Hotelier, denn ich lade die Gäste zu Schiller ein. Wenn ich ein richtiges Hotel betreiben würde, liefe das wohl so wie hier. Deshalb fühle ich mich hier so wohl.“
Genauso wohl fühlen sich beim ihm die musikalischen Gäste wie Midge Ure, Kim Sanders, Anggun und Jaki Liebezeit. Und natürlich die Fans, die ihm wieder diesen tollen Erfolg beschert haben. Wenn dann noch das Bewusstsein für einen besseren Umgang mit unserer Welt geweckt wird, ist das eine Leistung, die wirklich atemlos macht.
Mehr Infos unter: http://atemlos.tv



