Boshi San wünscht sich auf ‘H.e.R.B.’ weniger Massenkonsum – und dafür coolere Eco-Fashion

in Musiker an Mai 04, 2010

Am 8. Mai feiert Boshi San die Record-Release-Party für sein Album ’H.e.R.B.’. Wer sich vorab schon mal die Songtexte zum Mitsingen aneignen will, kann bereits die CD kaufen. Und das lohnt sich, denn der Münchner rappt nicht nur über die neuesten Beats von Glam (Main Concept) und über Themen wie Liebe, Sex und Zärtlichkeit – sondern auch sehr überzeugend über das Prinzip, dass weniger manchmal mehr ist!

Boshi San (rechts) steht auf grün – wie HolK und Roger Rekless, mit dem er beim Team Makasi rappt

Boshi San (rechts) steht auf grün – wie HolK und Roger Rekless, mit dem er beim Team Makasi rappt

Der eine oder die andere wird vielleicht schon von Boshi San gehört haben, schließlich ist der Münchner MC unter anderem Mitglied beim Team Makasi mit Roger Rekless und bei der Raggasnoda Click. Auf die zuletzt genannte Crew verweist er auch mit dem Namen seines Solo-Debüts, denn ’H.e.R.B.’ bedeutet ausgeschrieben ’Herzergießungen eines funkliebenden Raggasnoda-Bruders’ (58 Beats/Groove Attack).

Der Titel ist Programm

Der Albumtitel klingt erst einmal von der Wortwahl her ungewöhnlich, hat dafür aber einen literarischen Bezug. Inspiriert wurde er von den ’Herzergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders’. Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck lassen darin einen Mönch über dessen Kunstverständnis an alle schreiben, die noch „heilige Ehrfurcht vor der verflossenen Zeit in einem stillen, unaufgeblähten Herzen tragen“.

Boshi fand den Titel sehr passend, weil er in seiner Version die verschiedenen Aspekte seines derzeitigen Stils ganz gut einfängt: „Das Wort ’Herzensergießungen’ alleine ist ja schon ziemlich altmodisch, sperrig und auf den ersten Blick vielleicht sogar abschreckend. Das passt aber auch wieder zur Einstellung des Albums, auf dem es ja auch um Rückbesinnung auf bestimmte Werte geht. Das Buch des Klosterbruders ist außerdem ein romantisches Werk und ich selbst finde mich in vielen Motiven der Romantik wieder. Deshalb dieser Titel als Kontext.“

Versteinert in bewegten Bildern

Als Single hat Boshi San ’Wer Bist Du?’ ausgewählt. Im dazugehörigen Video läuft er anfangs durch einen Wald, in dem die Tiere alle ausgestopft sind. Wer will, kann da schon einen Eco-Spot drin sehen. Das durch Menschen verschuldete Artensterben empfindet der Vegetarier zwar als Problem, es soll mit dem Video aber nicht direkt angesprochen werden: „Dass die Tiere im Video ausgestopft sind, hat in diesem Fall nichts mit der Tierrechtsthematik zu tun, auch wenn diese allgemein für mich sehr wichtig ist. Ich versuche weitgehend auf tierische Produkte zu verzichten, soll heißen: kein Fleisch, kein Fisch, kein Leder, wenig Milchprodukte – und wenn, dann nur bio. Dass alle Lebewesen im Video versteinert sind, soll eine Metapher dafür sein, dass die Umwelt sich einem verschließt, wenn man kein stimmiges Selbstverhältnis hat.“

Teil dieses wunden Sterns

Wie er selbst seine Umwelt wahrnimmt, zeigt sich in den Lyrics von ’Simplicity’. Unseren Planeten nennt er darin einen wunden Stern. In der Übersetzung bedeutet der Refrain in etwa, dass der Schlüssel zur Glückseligkeit in mehr Einfachheit zu finden ist („… the key to felicity? I think we need more simplicity.“). Außerdem erklärt Boshi im Songtext, wie er sich das Erreichen dieses Ziels vorstellt: „Durch die Kleidung, die du trägst. Durch die Sachen, die du kaufst, entscheidest du, was geht./ Du hast Macht über Verkauf, Angebot und Preis. Mehr Anspruchslosigkeit ist das, was wir bräuchten.“

Dies ist dabei übrigens nicht die einzige Stelle, an der er dem Kommerz den Kampf ansagt. In ’Smooth’ (zu deutsch etwa „geschmeidig“) heißt es: „Ich musste soviel Kraft, soviel Mut aufwenden./ Um die Zwänge zu bekämpfen. Ey yo, Wasser und Blut hab ich geschwitzt, hab sie im Griff./ Jetzt kann der Massenkonsum mich nicht mehr blenden.“

Eco-Sneakers statt Einheitsbrei

Das klingt erstmal natürlich gut. Bei zum Beispiel Klamotten ist es aber immer noch etwas schwieriger, aus dem Einheitsbrei auszusteigen. Trotzdem versucht Boshi auch in diesem Bereich, auf soziale und ökologische Standards zu achten: „Ich kaufe seit längerem keine Produkte mehr von Konzernen wie Nike. Meine Flohmarkt-Nikes habe ich für 10 Euro gekauft! Sie trage ich noch solange, bis sie den Geist aufgeben. Ich hoffe, dass bis dahin noch mehr stylische Eco-Sneaker auf dem Markt zu haben sind. Ich habe schon ein paar, aber da geht auf jeden Fall noch mehr. An dieser Stelle also ein Aufruf: ‘Produziert doch bitte endlich einmal coole HipHop-Klamotten, die nicht von kleinen Kindern in Bangladesh zusammengenäht wurden’! Preislich macht es sowieso keinen Unterschied, ob ich mir viel zu teure HipHop-Wear hole oder Organic-FairTrade-Clothes.“

Verändern statt verzichten

In ’Nein Danke’ geht Boshi San noch etwas weiter. Hier rappt er scheinbar sogar über einen Kauf-Boykott: „Nein danke, ich hab schon, ich brauch das nicht./ Egal, wie sehr ihr mich belabert. Yo, ich kauf es nicht.“

Eine Spaßbremse will er aber auf keinen Fall sein. Der erhobene Zeigefinger ist bei ihm nicht zu finden. Allgemein ist er der Meinung, dass es okay ist, wenn nicht auf alles verzichten wird: „Es wäre kontraproduktiv, sich für jede Eitelkeit und Nachlässigkeit in Sachen ‘Verzicht’ zu tadeln. Diese Energie könnte auch an anderer Stelle produktiv eingesetzt werden. Solange das System krank ist, kann niemand permanent gesunde Entscheidungen von jedem Menschen verlangen. Dennoch denke ich aber, dass wir eben jenes kranke System in kleinen gemeinsamen Schritten verändern können und müssen.“

Recht hat er! Und ein erster Schritt könnte sein, sich seine Botschaften reinzuziehen. Entweder auf ‘H.e.R.B.’ oder live auf der Record-Release-Party am 8.5.2010 im Atomic Cafe München.

Mehr Infos unter:
http://boshisan.de

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