Cypress Hill unterstützen Hanf als Rohstoff und den Boykott von BP
So gesellschaftskritisch wie mit ihrem aktuellen Album ‘Rise Up’ präsentierten sich Cypress Hill lange nicht mehr. Zwar sind die Parolen im Titeltrack eher universell, aber im Interview vor ihrem Auftritt in der Berliner C-Halle am 7. Juni 2010 erklärten die beiden Rapper Sen Dog und B-Real gerne, für was sich die Leute mehr einsetzen sollten – auch, um die Umwelt zu schützen.
Dass sich Cypress Hill seit ihrem Debüt vor gut 20 Jahren fortwährend für die Legalisierung von Hanf stark gemacht haben, ist wohl jedem Fan bekannt. Dabei ging es ihnen aber immer um mehr als die berauschende Wirkung der Pflanze. Im Booklet von ‘Black Sunday’ aus dem Jahr 1993 steht zum Beispiel eine Liste mit Informationen über Hanf. Unter Punkt 4 heißt es da, dass beim Einsatz als Papierrohstoff Hanf einen viermal höheren Ertrag als Bäume auf derselben Fläche hätte. Der Einsatz für die Legalisierung ist also durchaus ebenso der Umwelt zuliebe zu verstehen.
Hanf – Dampf in allen Gassen
1995 unterstützten Cypress Hill die Organisation NORML mit einem Beitrag zum Sampler ‘Hempilation’. Die Non-Profit-Organisation setzt sich für den legalen Anbau und Gebrauch der Marihuana-Pflanze ein. Dabei geht es ihr auch um die Nutzung der nicht-psychoaktiven Bestandteile, da Hanf industriell bei der Futter- und Faserproduktion benutzt werden kann. Für B-Real ist das gesellschaftliche Engagement im Rahmen einer derartigen Aktion selbstverständlich: „Wenn wir gefragt werden, ob wir solch eine Organisation mit einem unserer Tracks unterstützen können, machen wir das natürlich gerne. Manchmal werden Musikstücke jedoch fehlinterpretiert. Daher ist es wichtig, über solche Themen auch zu reden. Wenn es um die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion geht, sind wir deshalb immer gerne bereit, da was zu machen.“
Auch wenn diese beiden Beispiele schon länger zurückliegen, ist das Hanf-Thema dank Stücken wie zum Beispiel ’K.U.S.H.’ wieder auf der aktuellen Scheibe präsent: „We’re like the Yankees, most winning, grand champs of the herb./ Nothing gets you like the type of medicine I serve./ Lawyers, teachers, actors, street cleaners./ No matter what they are, they all come to see the Reefer.”
B-Real betont, dass ihnen der Kampf für die Legalisierung noch immer sehr am Herzen liegt: „Dieses Thema gehört zu unserem Lebensstil dazu. Wir glauben zum Beispiel an den medizinischen Einsatz von Marihuana. Deswegen machen wir unsere Hörer konstant darauf aufmerksam, für was Cannabis genutzt werden kann. Deswegen haben wir ja auch diese Infos in das ‘Black Sunday’-Booklet geschrieben.“
Steht auf, wenn ihr dagegen seid
Bei ’Rise Up’ zeigt schon das Artwork, dass Cypress Hill gerne eine Art Revolution anzetteln würden. Allerdings sollte die rote Fahne nicht falsch verstanden werden, denn um Kommunismus geht es dabei nicht, wie B-Real klarstellt: „Meine Mutter floh aus einem kommunistischen Land – genau wie die Eltern von Sen Dog. Keiner von uns will dieses System unterstützen. Auch das wir mit Tom Morello von Rage Against The Machine zusammengearbeitet haben, führt Leute dazu, dass sie uns ähnliche Ansichten unterstellen. Das trifft aber nur auf musikalischer Ebene zu. Selbstverständlich gibt es aber Dinge, bei denen unserer Meinung nach die amerikanische Regierung die falsche Position bezieht. Das kritisieren wir natürlich, denn ich bin in Amerika geboren und liebe dieses Land!“
Im Titeltrack wettern Cypress Hill daher eifrig gegen das System. Sen Dog bezichtigt in den Lyrics die (politischen) Gegnern der Lüge: “Leave your lies in every town across the nation./ Cause you can never stop to play./ Gotta rise up (to the top,to the top)/ Can’t stop (How high can you get?)!”
Für was es sich lohnt, die eigene Stimme zu erheben, zählt Sen Dog gerne im Interview auf. Unter anderem nennt der Rapper wieder die Legalisierung von Haschisch als eines der Dinge, die die Welt verbessern würden: „Es gibt natürlich viele Gründe, für etwas aufzustehen. Das kann ein korrupter Politiker sein, aber auch ein ungewolltes Marihuana-Gesetz. Bei vielen Sachen ist es nötig, sich aufzuraffen und seine Meinung vorzutragen. Ihr könnt das. Steht auf!“
B.P. – boykottiert Petroleum!
Ein Problem, das ja gerade unzählige Amerikaner, aber auch den Rest der Welt beschäftigt, ist die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Für Sen Dog ist das auf jeden Fall eine Sache, bei der die Bevölkerung ihren Unmut deutlich machen sollte: „Das Ganze dauert nun schon über einen Monat an. BP hat einen Werbespot veröffentlicht, in dem sie erklärt haben, dass sie so hart wie möglich an der Schadensbekämpfung arbeiten. Das Geld hätten sie sich zum Beispiel sparen können und den Fischern geben sollen, die nun erledigt sind. BP sollte auf jeden Fall boykottiert werden. Die Leute sollten aufstehen und denen zeigen, was sie davon halten, dass BP das Ökosystem dort zerstört hat. Wenn ihr andere Energiequellen nutzen könnt, tut das!“
Mehr Infos unter: http://cypresshill.com



