Das Inselexperiment von Aleksander Melli behandelt auch das Thema Nachhaltigkeit

in Bücher an Aug 14, 2010

Was sang Herbert Grönemeyer noch mal 1986? „Die Welt gehört in Kinderhände./ Dem Trübsinn ein Ende./ Wir werden in Grund und Boden gelacht./ Kinder an die Macht!“ Ähnliches muss sich auch Aleksander Melli gedacht haben, als er ’Das Inselexperiment’ schrieb. Darin soll sich eine Kinderregierung mit den großen Problemen unserer Welt auseinander setzen: Umweltverschmutzung und sozialer Ungerechtigkeit. Und der Kampf um die verschiedenen Meinungen wird dabei nicht zimperlich geführt!

Nach dem Inselexperiment ist HolK nicht sicher, ob er auf eine einsame Insel will

Nach dem Inselexperiment ist HolK nicht sicher, ob er auf eine einsame Insel will

Der Klappentext hört sich an, als würde ‘Der Herr Der Fliegen’ bei ‘Big Brother’ um ‘Eine Unbequeme Wahrheit’ streiten: „Der 12-jährige Nachrichten-Nerd Max erhält eine ungewöhnliche Einladung zu einer Reality-Show: Zusammen mit zwanzig Kindern darf er den Sommer auf einer Insel im Oslofjord verbringen, wo eine Kinderregierung Antworten auf die brisantesten Fragen unserer Zeit finden muss. […]. Doch schon bald eskaliert die Situation auf der Insel…“

Zu unterschiedlich sind die Meinungen der einzelnen Kandidaten, die da auf dem Eiland namens Fernholmen aufeinander treffen. Die Helden von Max heißen zum Beispiel nicht nur Mandela und Schwarzenegger, sondern auch Gro Harlem Brundtland, Frederic Hauge und Al Gore, die sich alle aktiv für mehr Umweltschutz einsetzen.

Nachhaltigkeit ist (k)ein Kinderspiel

In der ersten Vorstellungsrunde erklärt Max, dass ihm vor allem die Drosselung unserer CO2-Emissionen am Herzen liegt. Dafür hat er auch konkrete Vorschläge parat: „Na ja, der Autoverkehr müsste gewaltig reduziert werden, zum Beispiel, und in alternative Energiequellen muss nachhaltig investiert werden.“

Julie sorgt sich dagegen mehr um vom Aussterben bedrohte Tiere und setzt sich für den Erhalt der Biodiversität ein: „Wir müssen die Natur bewahren, statt sie zu zerstören. Zum Beispiel verschwindet die Hälfte der Orang Utans in den indonesischen Wäldern, weil wir für alle möglichen Lebensmittel Palmöl verwenden.“

The revolution will (not) be televised

Dass sich einige andere Kinder lieber für einen Pizza-Tag oder Tanzkurse einsetzen, ist dabei natürlich nicht verwunderlich und im Rahmen des demokratischen Rollenspiels eine interessante Herausforderung für diejenigen, die wirklich was verändern wollen. Bloß hat keiner damit gerechnet, dass da auch noch ein richtiger Störenfried die Toleranz der Kinderregierung auf eine harte Probe stellen wird.

Boris ist ein notorischer Witzbold. Dabei spitzt er gerne seine Argumente so zu, bis es wehtut. Er weiß genau, wie er die anderen zur Weißglut bringen kann, um ihre Ansichten und den Erfolg ihrer Mission zu torpedieren: „Wir könnten uns für ein System der freiwilligen Sterbehilfe einsetzen, damit die, die ihre Fußabdrücke reduzieren wollen, das ein für alle Mal tun können… Keine Menschen, keine Emissionen. Wir könnten bei uns selbst anfangen, hier auf Fernholmen – so tun, als ob, meine ich, indem wir Kinder wegschicken.“

Und so entbrennt bei dem Inselexperiment ein Kampf um die Macht, der bis an die seelischen und körperlichen Grenzen einiger Protagonisten gehen wird…

Read more, learn more, change the globe

Der norwegische Autor Aleksander Melli hat mit ‘Das Inselexperiment’ einen interessanten Ansatz gefunden, um Themen wie Treibhauseffekt und Klimawandel, Armut und soziale Ungerechtigkeit und vor allem Demokratie der jungen Generation näher zu bringen. Die Mischung ist spannend. So behandelt er inhaltlich sehr reale Probleme des Erwachsenenwerdens, packt sie zum Teil aber in sehr poetische Beschreibungen. Der Einstieg in Tag 4 beginnt zum Beispiel folgendermaßen: „Es war ein wirklichkeitsnaher Morgen in deinem Fernseher. Schwere, träge Wolken zielten träge auf die Zielscheibe Fernholmen.“

Natürlich kann das Ganze einfach als verrückte, unterhaltsame Geschichte gelesen werden. Aber vielleicht funktioniert der Roman ja doch wie eine Art trojanisches Pferd. Zumindest der Rowolth-Verlag scheint davon überzeugt zu sein und schreibt im Erklärtext zum Jugendbuch: „Spannend und modern geschrieben, wird der Leser aufgefordert, sich zu bilden und mit den Realitäten auseinanderzusetzen.“

Wer weiß, vielleicht kommen ja in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich die Kinder an die Macht!

Mehr Infos und Leseprobe unter: http://www.rowohlt.de/buch/Aleksander_Melli_Das_Inselexperiment.2715361.html

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