Marlon Roudette arbeitet weiter am nachhaltigen Big City Life

in Musiker an Sep 20, 2011

Mit seiner Band Mattafix veröffentlichte Marlon Roudette die erste offizielle Single ‘Big City Life’ 2005. In mehreren Ländern landete das Duo damit einen Nr.-1-Hit, trotz oder wegen der gesellschaftskritischen Lyrics. Zwei Alben später wandelt der Frontmann nun mit ‘Matter Fixed’ auf Solo-Pfaden und hat mit der Single ‘New Age’ für den Soundtrack zum Film ‘What A Man’ von und mit Matthias Schweighöfer wieder die Pole Position in Deutschland erobert. Trotzdem bleibt er bescheiden und spricht im Interview lieber übers Fahrradfahren und das Engagement für seine karibische Heimat.

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Nachhaltig, aber sexy? Big City Life in Berlin mit Marlon Roudette und HolK

Marlon Roudette, der in London geboren wurde und auf der Karibik-Insel St. Vincent aufwuchs, ist eigentlich immer auf dem Boden geblieben. Jedenfalls sind ihm die bisherigen Erfolge nicht zu Kopf gestiegen. So stellt er im entspannten Rap-Track ‘Riding Home’ unter anderem klar, dass er gar kein Auto braucht, sondern lieber Fahrrad fährt: „He took the yard to the city and he mixed it, mattafixed it./ Now, he’s on some sick shhh./ So keep the money and the cars and the deals./ I’m riding home on the same two wheels.“

Zurück zur Natur?

Dass die Lyrics nicht nur ein Spruch sind, der sich gerade gut reimt, bestätigt er gerne auch nochmal auf Nachfrage. Einen Bentley habe er nie gewollt. Unkontrollierter Konsum ist nicht Teil seines Lebensstils. Ideelle Werte zählen für ihn mehr als marterielle: „Ich find’s gut, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Das heißt, gute Songs zu schreiben. Aber es geht auch darum, zu zeigen, wo ich herkomme. Und das kann eben auch beim Fahren nach Hause eine eher ungewöhnliche Art der Fortbewegung sein. Wobei ich wirklich viel Fahrrad fahre. Mein Auto habe ich verkauft.“

Auch der ökologische Aspekt spiele bei der Entscheidung fürs Rad schon eine Rolle. Wobei er das nicht übertreiben will, aber seine Mutter sei da bei einer nachhaltigen Lebensführung sehr engagiert: „Sie ist einerseits Kunstlehrerin, aber andererseits auch Bio-Bäuerin. Ihr ganzer Lebensstil dreht sich darum, unseren CO2-Fußabdruck zu verringern. Das hat mich natürlich beeinflusst, so dass ich zum Beispiel auch Landwirtschaftskurse in der Schule belegt hatte. Das muss im Auge behalten werden, wie wir unser Land nutzen. Massenproduktion funktioniert nicht. Wir müssen wieder eine größere Beziehung zu den Quellen unserer Nahrung bekommen.“

Ten million… ways to change the system

Schon in ‘Big City Life’ beschrieb Marlon Roudette damals seine Haßliebe zum Leben in der Großstadt, bei dem die Hektik und der Druck den Alltag dominieren, das System einen runtermacht und die Natur in die Ecke gedrängt wird: „Don’t let the system get you down./ Big City Life, me try fi get by./ Pressure nah ease up no matter how hard me try.“

So systemkritisch ist Marlon Roudette auf ‘Matter Fixed’ auf den ersten Blick nicht mehr. Eher hört es sich so an, als ob es „nur“ um Beziehungskram geht. Diesen Eindruck bestätigt er einerseits, versucht ihn aber andererseits auch zu korrigieren: „Zu Beginn der Aufnahmen war ich sehr mit persönlichen Dingen beschäftigt. Aber es ist jedenfalls nicht so, dass ich mich nicht weiterhin für soziale Belange interessiere. Ich denke aber auch, dass zum Teil in den Liedern genug Raum für andere Interpretationen ist. Es gibt zum Beispiel auch Stücke wie ‘Ten Million’, das Obdachlosigkeit behandelt. In ‘City Like This’ geht es um die Schwierigkeiten, in einer riesigen Metropole zu wohnen. Das sind einfach Themen, die mich beschäftigen.“

Nachhaltig engagiert!

Wenn die Leute hören, dass Marlon Roudette aus der Karibik kommt, beneiden sie ihn meistens dafür. Und es sei natürlich in St. Vincent auch wunderschön. Aber das Leben in einer sich gerade erst entwickelnden Wirtschaft, die von größeren Nationen beeinflusst wird, ist auch schwierig, wie der Sänger erzählt: „Der Lohn ist zum Teil minimal, die Arbeitslosigkeit hoch. Die Abhängigkeit von Importen steigt, während bäuerliche Traditionen verloren gehen. Vulkanausbrüche gab es zum Glück schon lange nicht mehr, aber Hurrikans sind auch problematisch. Die sozial-politischen Punkte, die auf meinen Album angesprochen werden, sind aus diesem Blickwinkel auf und von der Karibik beeinflusst.“

Momentan konzentriert er sich auch wieder mehr auf seine Heimat. In den vergangenen Jahren habe er da in einigen Schulen Vorträge gehalten und will das noch verstärken, nachdem er sich 2007 mit dem Song ‘Living Dafur’ noch eher für diese afrikanische Region engagiert hatte.

Ein Kapitel aus seinen Leben, das ihm noch immer so wichtig ist, dass er es mit Bildern auf seinem Cover zu ‘Matter Fixed’ erneut aufgreift: „Ich wollte ein Artwork, das meine Persönlichkeit durch Bilder aus meinem Leben widerspiegelt. Die Demonstration, die da zu sehen ist, war für ‘Save Dafur’ vor dem Haus des britischen Premierministers in der Downing Street 10. Ich bin in die Aktivitäten leider nicht mehr so stark involviert wie zu der Zeit, als wir mit unserem Lied auf die Lage dort in Afrika aufmerksam machten. Das Traurige ist, dass der Friedensprozess in der Region noch immer behindert wird. Aber mal sehen, wie sich die Unabhängigkeit des Südsudans auf die Situation auswirkt. Und ich bin sehr froh, dass ich als Künstler zumindest ein bisschen was tun konnte.“

Mehr Informationen unter:
http://www.marlonroudette.com

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Ein Kommentar zu “ Marlon Roudette arbeitet weiter am nachhaltigen Big City Life ”

  1. #1 Erika sagt:

    Schönes Interview. Schon lange nichts mehr von Marlon gehört. Ich hoffe, dass da bald was Neues rauskommt und ich wieder meinem Lieblingsmusiker lauschen kann.

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