Spiegel-Autor Alexander Neubacher will weniger Ökofimmel und besseren Umweltschutz

in Bücher an Apr 04, 2012

Alexander Neubacher, 1968 in Krefeld geboren, arbeitet seit 1999 als Wirtschaftsredakteur beim Nachrichtenmagazin ’Der Spiegel’ in Berlin. Seine Aufgabe ist es, komplizierte Zusammenhänge transparent zu machen. Nach der Gesundheitsreform hat er sich diesmal die deutsche Umweltpolitik vorgenommen. Provokant fragt er nun unter dem Titel ’Ökofimmel’, ob nicht das Gegenteil von gut leider nur gut gemeint ist.

Ökofimmel hin oder her, die Papiertüte schlägt hier für HolK  Plaste um Längen

Papier- oder Plastiktüte? Ökofimmel hin oder her, die Wahl fiel HolK nicht schwer


Die ersten Sätze lesen sich gut. Fast wie ein Glaubensbekenntnis: „Ich bin für Umweltschutz, die Natur liegt mir am Herzen. Ich mag die Tiere und die Pflanzen, den blauen Himmel und das Meer. Ich möchte, dass meine Kinder in einer intakten Umgebung aufwachsen, und ich gehe mit gutem Beispiel voran.“

Feuer frei auf den grünen Punkt

Alexander Neubacher hat auch guten Grund dazu, denn er hält den Klimawandel für eine ernstzunehmende Bedrohung: „Wenn die Prognosen der Wissenschaftler halbwegs richtig sind, werden die negativen Folgen bereits im Jahr 2100 deutlich zu spüren sein, also zu einer Zeit, die meine Kinder durchaus noch erleben könnten. Umso mehr kommt es darauf an, denn Klimawandel effektiv zu bekämpfen.“

Doch so, wie die Sache hierzulande angegangen wird, handelt es sich seiner Meinung nach vor allem um Symbolpolitik, die unterm Strich mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Ein Beispiel dafür sei es, dass der ordentlich getrennte Müll größtenteils gar nicht fürs Recycling genutzt wird: „Weil der Plastikabfall zu großen Teilen aus Erdöl besteht, ist er gut geeignet, um ein prasselndes Feuer zu entfachen, und so sind die Betreiber der Verbrennungsanlagen ganz scharf darauf, unsere Joghurtbecher aufzukaufen.“

Hier versagt die Umweltpolitik. Allerdings bringt es auch nichts, alles über einen Kamm zu scheren. Über Papier- und Glas-Recycling verliert Alexander Neubacher kein Wort, empfiehlt aber trotzdem, die Anzahl der Mülltonen auf zwei zu reduzieren. Doch der Fehler liegt nicht in der Sortierung, sondern unter anderem in den zu groß ausgelegten Verbrennungsanlagen und unsinnigen Reglungen wie einer zu niedrig festgelegten Recyclingquote.

Hält er, Wasser verspricht?

Ähnlich verhält es sich bei dem von ihm ins Spiel gebrachten Beispiel des Abwassers. Demnach müssen Wasserwerke „spülen“, weil zu viel Wasser gespart wird. Wie verallgemeinerbar dieser Hinweis ist, bleibt leider unklar. Und natürlich müssen Lösungen her. Die Verkleinerung des bestehenden Systems ist schwierig und kostspielig. Es geht allerdings auch um Fragen wie Energie- und Chemikalienaufwand. Und zum Durchspülen muss ja nicht unbedingt Trinkwasser genutzt werden, sondern zum Beispiel Regenwasser.

Als weitere Beispiele, die im Buch ausführlicher betrachtet werden, listet Alexander Neubacher Folgendes auf: „Unsere angeblichen Energiesparlampen sind ein Fall für die Giftmülldeponie. Viele Biolebensmittel haben eine verheerende Ökobilanz. Der sogenannte Biosprit in unserem Tank stellt sich bei näherer Betrachtung als Natur- und Klimakiller heraus. Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint.“

Mit dem letzten Satz hat er Recht. Allerdings nimmt er ihn sich selbst nicht zu Herzen und vereinfacht, übertreibt oder vergleicht Äpfel mit Birnen. Im Abschlusskapitel ’Was tun?’ hat er noch einmal alles zu einem Zehn-Punkte-Plan zusammengefasst.

Leider macht er die guten Ansätze durch lächerliche Vergleiche gleich selbst wieder kaputt: „Wenn im Einklang mit der Natur zu leben bedeutet, dass wir wieder in Höhlen hausen, Felle tragen und mit Keulen aufeinander einschlagen müssen, möchte ich für meinen Teil gerne darauf verzichten. Und wenn die Öko-Esoteriker mal wieder von der guten, alten Zeit schwärmen, wüsste ich wirklich gerne, welche Epoche sie eigentlich meinen: das finstere Mittelalter, die kleine Eiszeit, Weltkrieg I – oder II?“

Wer nicht lesen will, muss hören

Das ist schade, denn gerade beim Schlussplädoyer hätte er lieber sachlich herausarbeiten sollen, was wirklich getan werden kann. So bleibt der Verdacht, dass er absichtlich provoziert und damit aufs Spiel setzt, dass ernsthaft über die zum Teil berechtigte Kritik nachgedacht wird.

Wer übrigens keine Lust aufs Lesen hat, kann auch aufs Hörbuch zurückgreifen, das von Thomas Schmuckert eingesprochen wurde. Bekannt ist er vor allem für seine Hauptrolle in der Hörspiel-Reihe ‘Dorian Hunter: Dämonen-Killer’. Für ‘Ökofimmel’ trifft er dabei sehr gut den Ton. Sein Vortrag klingt sachlich, aber auch immer ein bisschen spöttisch.

Wer sich grundsätzlich für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft interessiert, sollte sich trotzdem oder gerade deshalb mit ‘Ökofimmel’ beschäftigen. Der Blick über den Tellerrand hat schließlich noch Niemandem geschadet. Und im besten Fall motiviert es dazu, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Mehr Informationen unter: http://www.dg-literatur.de/katalog/detail/product/180247/oekofimmel/

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Ein Kommentar zu “ Spiegel-Autor Alexander Neubacher will weniger Ökofimmel und besseren Umweltschutz ”

  1. #1 verärgert über Blödsinn sagt:

    „Weil der Plastikabfall zu großen Teilen aus Erdöl besteht, ist er gut geeignet, um ein prasselndes Feuer zu entfachen, und so sind die Betreiber der Verbrennungsanlagen ganz scharf darauf, unsere Joghurtbecher aufzukaufen.“

    Da ich längere Zeit in der Branche gearbeitet habe, halte ich die Behauptung für unsinnig. Gut sortierte Joghurtbecher sind zu teuer um sie einfach so zu verbrennen und Müll zur Verbrennung kostet auch in wirtschaftlich sehr schlechten Zeiten wesentlich mehr zum Entsorgen als reiner Kunststoffmüll. (teure Filteranlagen in der Restmüllverbrennung) Wie blöd müsste man also sein, wenn man das Zeug einfach so verheizt? Zum Teil werden allerdings schwer zu trennende und schlecht zu verwertende Kunststoffteile in der Zementindustrie als Ersatzbrennstoff eingesetzt. Die Anforderungen an den Ersatzbrennstoff sind relativ hoch und ersetzt Öl. Und ja, es stimmt, dass auch manchmal gezielt Öl in Müllverbrennungsanlagen eingesetzt werden muss um den Müll bei der richtigen Temperatur zu verbrennen. Das könnte man vermutlich tatsächlich auch mit schlecht verwertbaren Kunststoffen machen und wird vielleicht auch gemacht. Da kann man jetzt aber nicht davon ausgehen, dass es schlauer wäre die Kunststoffe gleich drin zu lassen, damit der Restmüll gut brennt. Weil meistens ist keine Zugabe nötig da bereits bei der Beschickung der Restmüllverbrennungsanlage auf eine gute Mischung geachtet wird.

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